Rückreise Teil III, CDG – TXL

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Von den sechs Stunden Zwischenaufenthalt,
bleiben eigentlich nur vier Stunden netto über, stelle ich später fest.
Als allererstes gebe ich meinen Koffer wieder auf. Ich frage in der Abflughalle, ob es möglich ist den Koffer jetzt und den Hund später aufzugeben, und bekomme ein leicht irritiertes „selbstverständlich“ zu hören. Ich trete an den Schalter gebe den Koffer auf und bekomme schon mal Oscars Gepäcketikett mit dem Strichcode. So schnell habe ich noch nie einen Koffer oder einen Hund oder gar beides eingecheckt.
Sie geht noch mit mir zum Wächter des Sperrgebäckbandes, um abzuklären bis wann Oscar zurück sein muss. 19:45 Uhr, dass heißt eine Stunde vor Abflug. Kriegen wir hin. Wir plaudern noch darüber, dass ich mit Oscar zum Terminal 2G fahre wegen der Wiesen und die zwei wünschen mir eine gute Reise. Air France Mitarbeiter sind so freundlich, dass ich vor Glückseligkeit heulen möchte.

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Am Terminal  2G angekommen,
laufen wir unsere gewohnte Runde und machen es uns auf dem Parkplatz gemütlich. Erstmal das Raubtier füttern, dann den Halter versorgen. Oscar schlingt, als hätte er tagelang nichts bekommen und macht auch vor meinem Fresschen nicht halt. Noch ein bisschen Ballspielen, Rennen und Häufchen machen, dann geht es zurück zum nächsten freien WLAN-Hotspot.
Oscar döst vor sich hin, ich blogge, schaue mir die Leute an und schon ist es 19:00 Uhr. Ich packe meine Habseligkeiten samt Hund und es geht ein letztes Mal den altbekannten Gang. Oscar nutzt die Gelegenheit und ich frage mich, wo das alles her kommt?
Auf dem Weg zum Shuttlebus bleibe ich vor dem Kassenautomaten des Parkplatzes stehen. All die Jahre, die ich diese Strecke fliege, und nie habe ich mir die Preisliste angeschaut.

Parkgebühren CDG Terminal 2G

Parkgebühren CDG Terminal 2G

günstig geht anders.
Jetzt in die Navette 2 (Shuttle 2) gesprungen und wir stehen Punkt

19:45 im Terminal 2F Zone 4,
um Oscar einzuchecken.
Oscars Tür wird zusätzlich mit Kabelbinder verschlossen. Und wieder verschwindet er hinter dem Plastikvorhang und ich frage mich, was nun mit ihm passiert? Etwa das, was sie in Österreich praktizieren? Ich will nicht weiter darüber nachdenken und gehe zum

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Boarding
Richtung Gate F29.
Der Monitor an der Sicherheitskontrolle warnt mich auf zehn Minuten Wartezeit vor. Geht trotzdem flugs und eine charmante Dame verteilt die Reisenden auf diverse Kontrollpunkte. Alles easy und super freundlich. Einmal nur, in all den Jahren, hat mich eine Kontrollmitarbeiterin angepöbelt, als ich darauf hinwies, dass mein Flieger in 15 Minuten geht. Ich solle nicht stressen. Natürlich habe ich den Flieger verpasst – um ein paar Minuten.
Als ich die Halle mit den Gates betrete, fühle ich mich unwohl. So viele Menschen auf so engem Raum. Es ist kaum ein Durchkommen und die Toiletten sind zu allem Überfluss auch noch eine Etage tiefer. Ich will heim, ich habe keine Lust mehr.
Den Stau in der Passagierbrücke nutze ich, um Ausschau nach Oscar zu halten. Kein Oscar zu sehen. Die aufmerksame Leserschaft ahnt, was kommt: Gleich nachdem ich von den Flugbegleiterinnen begrüßt wurde, frage ich nach meinem Hund. Sie fragt im Cockpit nach und sagt den einen Satz, den kein fliegender Hundehalter jemals hören will „Ihr Hund ist noch nicht an Bord.“ Ist das ein Running Gag bei der Air France? Immerhin, er steht in den Unterlagen der Crew. Es würde mich nicht belasten, wäre das nicht der letzte Flug für heute und ich möchte nicht, dass Oscar die Nacht im Lagerhaus verbringt. Sie nickt verständnisvoll, schreibt sich meine Sitzplatznummer auf und bittet mich Platz zu nehmen, sie kümmert sich darum. Macht sie auch, denn kurze Zeit darauf gibt sie das erlösende Okay – sogar in zwei Sprachen. Der junge Mann neben mir lacht mit mir.
Und eben dieser junge Mann macht sich bald sehr breit. Er ist deutlich kleiner als ich und trotzdem  sitzt er breitbeinig wie eine Hafendirne. Damit nicht genug, um auf seinem Handy Fußball zu daddeln, stützt er sich auf beide Armlehnen auf. Alter, echt jetzt? Du hast den breitesten Sitz von uns Dreien!
Richtig stören tut es mich nur, als Essen gereicht wird. Es ist wieder der Jambon Wrap, wie im vorherigen Flug. Käse ist nicht meines.

Jambon Wrap, Air France

Jambon Wrap, Air France

In TXL gelandet,
müssen wir mit dem Bus zur Gepäckausgabe fahren. Ich fühle mich unwohl. Ich will wieder weg. Das Gepäck braucht ungewöhnlich lange. Oscar steht draußen auf dem Gepäckwagen. Ich sehe ihn durch die Scheibe, er schaut in meine Richtung, aber ob er mich wirklich sieht? Koffer kommen, mein Koffer kommt, weitere Koffer kommen, der letzte Koffer kommt und als Letztes wird Oscar hereingerollt. Er fiept. Er fiept richtig dolle und ich kann den Kabelbinder nicht abmachen, weil weder der Gepäckfahrer noch die Sicherheitsleute was zum Schneiden bei sich haben. Ich irre durch den menschenleeren Flughafen und endlich an der Flughafeninfo reichen mir zwei verwundert dreinblickende Mitarbeiterinnen eine Schere. Als sie Oscar sehen, verstehen sie.
Jetzt irre ich nach dem Taxistand. Ich war dutzende Male hier und bin immer über Taxen gestolpert, aber jetzt fehlen die Hinweisschilder. Ich soll wieder ins Tiefgeschoss?? Der Aufzug geht nur ins Zwischengeschoss zu den Toiletten. Vom Tiefgeschoss schallt es mir auf Englisch entgegen, ob es keinen Aufzug gäbe? Glaubt der Mann ehrlich, ich schleppe eine sieben Kilo Box aus Langeweile die Treppe runter?
Draußen stehen zwei einsame Taxen. Offensichtlich ist um 23:00 Uhr der Drops gelutscht und mit keinem Geschäft mehr zu rechnen. Oscar darf mitfahren und es wird eine schweigsame Fahrt. Wir waren schweigsam, der Fahrer sprach lieber in sein Mobiltelefon, dass er geübt in der rechten Hand hielt.
€ 22,40 kostet die Fahrt, wie vor zwei Jahren. Passt schon, Hauptsache Zuhause!

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