Villefranche-de-Conflent: Cova Bastera

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Das Höhlen- und Verteidigungssystem Cova Bastera

ist mit Villefranche-de-Conflent durch eine Treppe verbunden. Der Eingang befindet sich gut sichtbar gegenüber der Stadtmauer an der RN116.
Auf den Stufen davor steht ein kauziger Alter mit einem markant vom Leben gezeichneten Gesicht. Gerade als ich Oscar anbinden will, um mich zu erkundigen, ob der Eintritt in die Cova Bastera wirklich gratis ist, wendet sich der alte Mann mir zu. Er ermuntert mich, den Hund mit in die Höhle zu nehmen. Außer mir sei nur ein Pärchen in der Grotte und deshalb würde der Hund niemanden stören. Zu der Einladung gibt es noch ein laminiertes und doch abgegriffenes Infoblatt auf Französisch.

Der Zettel führt aus, dass es in der Höhle konstant 14° C sind und man einen Pulli bereithalten soll. Ich würde eher zu einer Jacke raten, denn vereinzelt tropft es. Es folgt ein kurzer Abriss über

die Grotte fortifiée Cova Bastera im Wandel der Zeiten,

von der Eiszeit, über die Prähistorie, bis zur Epoche des berühmten Baumeisters Sébastien Le Prestre de Vauban: Nach der Besetzung durch die Miquelets im Jahr 1674 beschloss Vauban die Befestigung der Höhle, um sie in die übrigen Verteidigungsanlagen der Stadt einzugliedern. Doch der Baumeister erlebte die Realisierung seines Projekts nicht mehr. Er verstarb 1707, in dem Jahr, als die Arbeiten begannen. Seit 1983 ist die Cova Bastera öffentlich zugänglich. Die einzige befestigte Grotte Europas wurde im Jahr 2008 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Die Grotte verspricht einen ungewöhnlichen Besuch und einen Beweis für das außergewöhnliche Naturerbe von Conflent.

Unsere Entdeckertour beginnt mit einer schier endlosen Treppe:

124 Stufen hinauf zum Höhleneingang

Grotte fortifiée Cova Bastera, Villefranche-de-Conflent (Pyrénées-Orientales, Okzitanien, Frankreich)und auf halber Höhe kommt mir das eingangs erwähnte Pärchen entgegen. Euphorisch von einem Ohr zum anderen lachend verwickelt er mich in ein Gespräch: „…Waren Sie schon einmal in der Grotte? Sie werden es sicherlich lieben! Ich war schon öfters da und bekomme nicht genug davon! Und es ist gratis!…“ Sein Akzent will nicht recht zu seinen sehr guten Kenntnissen der hiesigen Zunge passen. Allerdings schickt es sich für Touristen ein Gespräch auf Französisch zu beginnen. Wie gut oder schlecht die eigenen Fremdsprachenkenntnisse sind, spielt dabei keine Rolle. Es geht lediglich darum, den guten Willen zu zeigen. Bei Bedarf und Können wird der Gesprächspartner auf eine für beide angenehme Sprache umschwenken. Ich nehme alle meine mageren Französischkenntnisse zusammen und frage wovon der Betreiber denn eigentlich lebt? Von Spenden! Ich wünsche den beiden Anglofonen einen schönen Tag und erklimme weiter die Treppe.

Hinter der Tür beginnt nun endlich das auch als

Préhisto Grotte

Grotte fortifiée Cova Bastera, Villefranche-de-Conflent (Pyrénées-Orientales, Okzitanien, Frankreich)Grotte fortifiée Cova Bastera, Villefranche-de-Conflent (Pyrénées-Orientales, Okzitanien, Frankreich)bekannte Höhlensystem.
In einem großen Gewölbe zeigt eine Leinwand normalerweise Filme zur Geschichte der Grotte. Ich schätze mal, wegen der geringen Besucherzahlen bleibt der Projektor heute aus. Gleich daneben schimmert eine Pfütze. Ein Pfeil weist irgendwo ins nirgendwo und das dazugehörige  Schild verkündet

„Geburt eines Stalagmiten
1 cm alle 100 Jahre“

So richtig erkennen kann ich nichts; scheint für meine schlechten Augen wohl noch zu klein zu sein. Oder wurde der Keim während der Befestigungsarbeiten im 18. Jh. beschädigt?
Es geht weiter durch einen engen gemauerten Durchgang mit feuchten Wänden, Boden und tropfender Decke. Grotte fortifiée Cova Bastera, Villefranche-de-Conflent (Pyrénées-Orientales, Okzitanien, Frankreich)Grotte fortifiée Cova Bastera, Villefranche-de-Conflent (Pyrénées-Orientales, Okzitanien, Frankreich)Immer wieder entdecke ich kleine Figürchen zwischen den Steinen. Ich vermute, ein Zugeständnis an die jüngsten Besucher.
Wir kommen zu einer Kreuzung: Eine Richtung führt in die Festung. Der befestigte Teil der Cova Bastera ist unerwartet klein und unspektakulär. Letztendlich ging es ja auch nur darum, die Stadt zu verteidigen. Die andere Richtung führt in den Teil der Grotte, der nicht als UNESCO-Weltkulturerbe klassifiziert ist. Meines Erachtens ist das der größere, nicht militärisch genutzte Teil.

Am Ausgang wartet

der Eigentümer Bernard Castillo

in seinem Kabuff und möchte wissen, ob mir die Cova Bastera und seine Musikauswahl gefallen haben? Das gesamte Höhlensystem wird mit klassischer Musik berieselt, ohne dass man beim Übergang von einem Gewölbe in das nächste eine Unterbrechung wahrnimmt. Ich lasse meiner Neugierde freien Lauf und frage ihn, wie er denn ausschließlich von den Spenden leben kann? „Besser als vorher“, erfahre ich. Ich schaue ihn fragend an und er führt aus: Früher nahm er ein moderates Eintrittsgeld; zuletzt 7 € je Erwachsenen und bei Kinder etwas mehr als die Hälfte. Eines Tages standen Funktionäre des regionalen Tourismusverbandes auf seiner Matte und legten ihm nahe, seine Preise den anderen Grotten anzupassen. Der Gedanke 10 € bzw. 7 € Eintritt zu verlangen missfiel ihm und so entschloss er sich, ausschließlich auf freiwillige Spenden zu setzen. Der Erfolg lies nicht lange auf sich warten: Die bisher durchschnittlich 7.000 Besuchern pro Jahr haben sich bis zum Jahr 2016 verdreifacht. Und mehr Geld nimmt er natürlich auch ein.
Bernard Castillo, Cova Bastera, Villefranche-de-Conflent (Pyrénées-Orientales, Okzitanien, Frankreich)Ich spreche noch sein Foto am oberen Ende der Treppe an. Ein kleines, sentimentales (?) Lächeln zuckt um seinen Mund. „Da war ich in meinen 40ern… das ist über 20 Jahre her…“. Der alte Mann ist gar nicht so kauzig, wie es der erste Anschein erweckt, sondern hat eine Menge zu erzählen.
Schlussendlich wandern ein paar Silbermünzen von meinem Portemonnaie in seine Spendenbox und mein

Fazit zur Cova Bastera

fällt eher zwiespältig aus: Die Gewölbe haben etwas Erhabenes. Das liegt sicherlich auch an der Faszination, die allen Grotten und Höhlen gemein ist. Jedoch sucht der Besucher vergeblich nach atemberaubenden Gesteinsformationen. Vielleicht sind sie den früheren Nutzern zum Opfer gefallen? Lediglich die zurückliegende Nutzung als Festung regt die Fantasie an. Auf jeden Fall lohnt sich ein Besuch der Grotte fortifiée, zumal man die Höhe seines Eintrittsgelds selbst bestimmen kann. Wem das noch nicht reicht, findet in der näheren Umgebung weitere Höhlen, die, zumindest in den Internetpublikationen, spektakulärer scheinen.

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