Nordspanien. Der Anreise erster Teil: TXL – CDG

Lesedauer: 3 Minuten

Die Nacht
war kurz und unruhig. Wie immer, wenn ich verreise. Nutzt alles nichts, erbarmungslos schallt um

6:00 Uhr
die Fanfare des Berliner Radios durch das Schlafzimmer, gefolgt von den Nachrichten, vorgetragen mit einer gut gelaunten Stimme, die Dir selbst einen atomaren Erstschlag als erstrebenswert verkauft. Qual pur, aber für radioeins ist der Empfang zu schlecht.
Schnell was frühstücken, die letzten Sachen in den Koffer und dann ins Bad. Bis ich plötzlich merke, dass es schon

8:00 Uhr
ist. Oje, wo ist die Zeit hin? Ich wollte um diese Uhrzeit schon im Taxi sitzen und nicht erst mit dem Hund los. Dann wird es halt nur eine kleine Runde. Eine ganz kleine Runde, denn um

8:15 Uhr
ist das Taxi schon bestellt. Jetzt muss das ganze Zeug vom vierten Stock auf die Straße. Ohne Aufzug versteht sich. Also jedes Teil Stück für Stück eine Etage runtertragen, dann wieder hoch, das nächste Teil, dann wieder hoch…bis schließlich Hundebox, Koffer, Rucksack und Hund auf der Straße stehen.

Der Taxifahrer ist mega entspannt
als Oscar zur Begrüßung auf den Beifahrersitz (Leder!) springt  und seine Pfoten schöne staubige Abdrücke hinterlassen. Alter, von mir hast Du das nicht! „Ach, lassen Sie doch. Ich war doch informiert, dass ein Hund mitfährt!“ Puh, Glück gehabt.
Wir unterhalten uns über den Jakobsweg , den BER und kommen von Hölzchen auf Stöckchen.
In Tegel angekommen, eröffnet er mir, dass er hier (also in TXL) eine Insel gekauft hat. Gemeint ist eine dreieckig umrandete Fläche, die für nix gut zu sein scheint. Außer vielleicht, dass die Insel vor Terminal D steht und ich nicht weit laufen muss.
21,50 EUR für die Taxifahrt ist zwei Euro teurer als vor zwei Jahren. Schön für mich, schlecht für die Fahrer.[sam id=“6″ name=“Check24 Kurzrechner“ codes=“true“]

Terminal D.
Zwei Air France Check-in Schalter sind geöffnet und die Schlangen dementsprechend lang. Aber nicht für uns! Wir haben reserviert. Telefonisch! (Wer kennt sie noch, die Werbung?) Wir ziehen an der Schlange vorbei Richtung Ticketing-Schalter und sind gleich dran.

Guten Tag, ich reise mit Hund. Wo muss ich hin?
„Ja, da sind Sie bei mir erstmal richtig“, sagt der junge Mann hinterm Schalter. Während er den Papierkram erledigt und mein Reisebudget um € 75,- für Oscars Ticket schmälert, muss ich Oscar beruhigen. Die junge Dame am Check-in Schalter findet ihn so süß, dass sie ihn erstmal locken muss und darüber ihre Arbeit vergisst. Oh, wie ich diese Schmatzlaute hasse, wenn Menschen versuchen Hunde auf sich aufmerksam zu machen! Ob sie begreift, dass zwei Förderbänder zwischen ihr und Oscar sind? Ich befürchte nicht, denn sie ist blond. Ich sag mal nichts, denn sie meint es nicht böse. Außerdem beschleicht mich ein Gefühl, als ob sie noch wichtig werden könnte.

Die Bordkarte und den Gepäckabschnitt
könnte ich einstecken, aber die Blonde vom Check-in hat was dagegen. Sie kann nämlich Multitasking und hat mitbekommen, dass Oscar bis Bilbao eingecheckt ist. Macht Air France aber nicht, sondern nur bis Paris! Ich nicke zustimmend, weil es vor drei Jahren auch so war. „Der Herr kennt sich aus“ meint sie anerkennend. Der junge Mann schaut etwas betroffen, weil alles Papier wieder hinter den Schalter muss und alles von vorne beginnt. Zu seiner Entschuldigung sei angemerkt, dass AVIH (Animal Vivant In Hold) nicht unbedingt Tagesgeschäft ist.
Als Letztes dem Mann noch gezeigt, wo er am besten den Gepäckanhänger anbringt, denn laut seiner Kollegin kenne ich mich ja aus,  und dann ab zum

Terminal E.
Dort befindet sich die Sperrgepäckannahme. Mein Hund zieht (!) mich dahin, als ginge es ihm nicht schnell genug.
Die Mitarbeiterin fragt ganz engagiert, ob der Hund fertig sei. Fertig meint in diesem Fall, ob er sich gelöst hat, sein großes Geschäft verrichtet hat oder ganz schnöde: ob er gekackt hat.
Sie bietet mir an, die geröntgte Box aufzubewahren und schickt uns nochmal Gassi. Eine supernette Geste, aber Oscar hat wenig Interesse an Geschäften. Er will laufen und zieht mich Richtung Jungfernheide, weil wir da immer durchlaufen, wenn wir jemanden zum Flughafen gebracht haben. Das wird nichts, also zurück zur Sperrgepäckannahme.

Für meinen Geschmack etwas widerwillig,
aber sonst kommentarlos, lässt er sich in die Box hieven. Das ist der Augenblick, wo ich ganz schnell weg und mich ablenken muss. Seinen Schutzbefohlenen aus den Händen zu geben ist unschmusig. Das ist wie sein Kind weggeben müssen. Will man nicht.

Neulich am Brandschutztor
und zwar jenes hinter der Sicherheitskontrolle, am Gate D74: Ich erdreiste mich  genau darunter zu stehen. Ernsthaft, da sitzen zwei Sicherheitsleute und fordern die Reisenden auf, den Bereich freizuhalten. Ist aber auch lästig, einen vom Rolltor erschlagenen Reisenden unterm Schutztor hervorziehen zu müssen, nur weil er nicht aufpassen kann.

Boarding
und noch in der Flugzeugtür schicke ich die Flugbegleiterin ins Cockpit, um nachzufragen, ob Oscar schon im Frachtraum ist. Und was ich nicht hören will, auf keinen Fall und unter gar keinen Umständen, ist „Ihr Hund ist noch nicht an Bord“. Und sie sagt es. Einfach so. Ich wedele mit dem Gepäckschein und wechsele die Gesichtsfarbe ins Kalkweiße.

„Setzen Sie sich auf Ihren Platz, ich kümmere mich darum!“
sind die Worte, die den Unterschied zwischen Reisen und Beförderung ausmachen. Sprach es und noch bevor ich saß, stand sie neben mir und gab Entwarnung.

Der Flug
war unspektakulär.  Und mehr muss auch nicht. Ausreichend Beinfreiheit, ein ganz kleiner Snack, aufmerksame Flugbegleiter – alles da. Heute keine Selbstverständlichkeit mehr, selbst in dieser Preisklasse nicht.

Air France Snack

Ein ganz kleiner Snack statt Frühstück.

Der Flug zuvor hatte anscheinend richtiges Gebäck zum Frühstück, wie mir die Krümel verraten.

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