Gdańsk
Danzig: Westerplatte

Gesamtlesedauer ca. 4 Minuten

liegt im Norden der Stadt Danzig in der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Die Parkplatzsituation ist überschaubar: Zwei kleine Parkplätze, im Sommer teilweise kostenpflichtig, und eine Haltestelle für den Stadtbus.
Die Uferpromenade war bei meinem Besuch aufgrund von Unwetterschäden gesperrt und aBAS, Westerplatte (Danzig), Polenußer einem Wachturm mit einigen Unterständen zur Verteidigung der Seeseite erweckt auf dieser Seite nichts mein Interesse.
Die rund 2 km lange und zwischen 60 und 600 m breite

Westerplatte war bereits im 19. Jh. ein beliebtes Ostseebad

mit Kurpark, Kurhaus und Heilanstalt. Das änderte sich im Jahr 1920 als Polen ein Gelände forderte, um ein Munitionsdepot zu errichten. Im März 1924 gab der Völkerbund, unter dessen Verwaltung Danzig damals stand, dem Begehren statt und Polen erhielt die Verfügungsrechte über Westerplatte, ohne dass die Halbinsel polnisches Staatsgebiet wurde. Fortan unterstand der Löwenanteil der Halbinsel dem polnischen Militär und war für Unbefugte nicht zugänglich.
Es braucht wenig Fantasie, um sich vorzustellen, dass die Situation von Misstrauen geprägt war und jede Partei versuchte, es der anderen schwer zu machen. Das gipfelte schließlich am Westerplatte (Danzig)1. September 1939 um 4:47 Uhr im Beschuss der Anlage durch das deutsche Schiff „Schleswig-Holstein“, das Tage zuvor unter dem Deckmantel eines Freundschaftsbesuches anlegte. Offiziell ist dieser Angriff als Beginn des Zweiten Weltkrieges in die Geschichtsbücher eingegangen, auch wenn Zeitzeugen über Kriegshandlungen an anderen Orten berichten, die bereits ein paar Minuten vorher stattfanden.
Gleich am Parkplatz steht das einzig erhaltene Wachhaus

Wartownia nr 1

Wartownia nr 1, Gdańsk (Wachhaus Nr. 1, Danzig, Polen)an seinem neuen Standort. Der Hafenausbau erforderte es, dass das 600 t schwere Wachhaus Nr. 1 im März 1967 auf Schienen um ca. 40 m an seinen jetzigen Standort versetzt wurde. Westerplatte-Veteranen restaurierten das Gebäude und richteten 1974 eine Ausstellung ein. Seit 1980 ist es Teil des Historischen Museums der Stadt Gdańsk und kann in der Hauptsaison besichtigt werden.
Auf der anderen Seite des Weges liegt die Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten.
Von den Unterkünften existiert nur noch die

Nowe koszary

Nowe koszary (Neue Kaserne), Westerplatte (Danzig), Polenam Ende des Waldweges.  Im Vergleich zur alten Kaserne, die in den Gebäuden des Kurbetriebes untergebracht und insbesondere im Winter eine Herausforderung für Mensch und Material war, bot die 1934 – 1935 gebaute T-förmige Neue Kaserne für damalige Verhältnisse moderne Annehmlichkeiten: Zentralheizung, große Waschräume, Kranken- und Funkstation sowie Schlafräume. Neben den Waffen- und Munitionslagern gab es auch eine Waffenwerkstatt und Büros.
Während mein Hund durchs Unterholz stromert, schaue ich mir die Soldatenunterkunft, oder besser gesagt was davon übrig geblieben ist, von innen an. Sie ist frei zugänglich, allerdings stehen nur im Freien Hinweistafeln. Wer sich nicht die Mühe macht, sie zu lesen oder weder des Polnischen noch des Englischen mächtig ist, wird ohne Hintergrundwissen den Besuch des Inneren für reizlos halten: Nowe koszary (Neue Kaserne), Westerplatte (Danzig), PolenBaulich war die dreigeschossige Neue Kaserne so konzipiert, dass Flieger- und Artillerieangriffe von Ober- und Erdgeschoss aufgefangen wurden, während die Soldaten im Keller Schutz fanden. Diese Aufgabe hat sie erfüllt, denn ihr heutiges Aussehen ist zum einen den Blindgängern geschuldet, die in der Nachkriegszeit immer wieder im Innern der Kaserne explodierten und zum anderen dem Abtrag des Nordflügels, um den Weg zum Denkmal anzulegen.
In unmittelbarer Nähe stehen große Schautafeln, die detailliert über das Kriegsgeschehen informieren. Es ist eine Sache, in der Schule stumpf Daten und Namen zu pauken. Eine andere Sache ist es, vor Ort zu „begreifen“ und versuchen zu erahnen, was während der Belagerung in den Köpfen der Verteidiger vorgegangen sein mag, bevor sie am siebten Tag mangels Munition und ärztlicher Versorgung kapitulierten. Eine respektable Leistung angesichts der ursprünglichen Order, die Stellung für zwölf Stunden zu halten. Das können Bücher und neue Medien nur schwer vermitteln.
Nowe koszary (Neue Kaserne), Westerplatte (Danzig), PolenAn der Rückseite der Ruine, und leicht zu übersehen, stehen mehrere Tafeln mit Namen, Geburts- und Todesjahren. Ein Erklärschild fehlt, doch die Vermutung liegt nahe, dass es um die ehemals stationierten polnischen Soldaten geht.
Am Horizont ist schon das Denkmal

Pomnik Obrońców Wybrzeża

Pomnik Obrońców Wybrzeża (Westerplatte-Denkmal), Danzig, Polenzu sehen. Auf einem künstlichen Hügel am Hafenkanal ragen 236 Granitblöcken mit einem Gesamtgewicht von 1150 Tonnen 25 m in die Höhe. Der Hügel misst 20 m im Durchmesser und wurde aus Abraum geschaffen, der bei der Erweiterung und Vertiefung der Fahrrinne anfiel.
Pomnik Obrońców Wybrzeża (Westerplatte-Denkmal), Danzig, PolenDas am 9.10.1966 eingeweihte Denkmal für die Verteidiger der Küste gedenkt den polnischen Soldaten, die im Herbst 1939 in Pommern gegen die deutschen Truppen kämpften. Sie werden durch die in Stein gehauenen Köpfe eines Matrosen und eines Soldaten symbolisiert, ergänzt durch die Namen der Kriegsschauplätze.
Am Fuß des Westerplatte-Denkmals stehen weitere Schautafeln zu den Kriegsvorkommnissen.
Mein

Rückweg

führt mich erst noch wenige Meter weiter und ich bin ganz froh, die Informationsflut sackenlassen und die Betroffenheit abschütteln zu können.
Latarnia Morska Nowy Port (Leuchtturm von Neufahrwasser), Danzig, PolenWeichselmündung, Westerplatte (Danzig), PolenAm gegenüberliegenden Flussufer zieht der Leuchtturm von mit seiner Zeitkugel und dem vorbei. Gitter schotten den Hafen- und Militärbereich ab, was Oscar nicht daran hindert, sich durch die Gitterstäbe zu quetschen. In der Ferne sehe ich die Tote Weichsel in die Ostsee münden. Westerplatte (Danzig), PolenIm Gebüsch liegt Metallschrott. Ob das ein Teil des T-34-Panzer ist, der nach den Kriegswirren vollkommen zusammenhangslos in der Nähe des Parkplatzes als Denkmal aufgestellt und im August 2007 demontiert wurde?
Ich drehe um und wähle einen Weg entlang des Militärgeländes, der mich zurück zu Hauptweg und Parkplatz führt.

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