Riga: „Hanza Hotel“ ***S

Gesamtlesedauer ca. 5 Minuten

erreiche ich mit dem öffentlichen Flughafenbus „22“ 
nach 32 Minuten Fahrzeit. An der vorletzten Haltestelle Centrāltirgus (Zentralmarkt) heißt es aussteigen und die letzten 600 m zu Fuß zurücklegen. Eine Orientierungshilfe bietet „Stalins Geburtstagstorte“, das markante braune Hochhaus, in dem die „Akademie der Wissenschaften“ untergebracht ist.

Für die Rückreise befindet sich der Busstop gegenüber des Ausstiegspunktes und heißt Centrālā stacija (Hauptbahnhof).

Die Nachbarschaft
wirkt auf uns Mitteleuropäer wenig einladend. So habe ich mir den Ostblock vorgestellt. Ein paar Tage später erfahre ich während einer Stadtrundführung, dass dieses Viertel früher einen schlechten Ruf hatte, verbunden mit dem Ratschlag, sich ab Einbruch der Dunkelheit nicht wie ein Tourist zu verhalten. Ich bin auch um 22 Uhr durchgelaufen und ich habe mich keinen Moment unsicher gefühlt. Direkt am Hochhaus ist eine Bushaltestelle, an der immer Busse auf die Abfahrt warten, Hauptstraßen sind in Sichtweite und durchschneiden das Quartier, eine Polizeistation ist in der Nähe und auch die russische Botschaft.

Das Hanza Hotel
trägt drei Sterne Superior, was für ein deutliches Mehr an Serviceangebot und Dienstleistung steht .

Hanza Hotel ***S, Riga

Hanza Hotel ***S, Riga

Es befindet sich in einem modernisierten 100-jährigen Wohnhaus und empfängt mich mit einer großen lichtdurchfluteten Halle.

Hanza Hotel ***S, Riga

Hanza Hotel ***S, Riga

Der freundliche Rezeptionist, ein Student, kassiert im Voraus – habe ich bislang auch nur sehr selten erlebt. Links geht es treppab zum Frühstücksraum und hinter mir stehen zwei Aufzüge bereit. Im Verlauf meines Aufenthaltes bekomme ich vom hilfsbereitem Personal noch Informationen und Stadtplänen.

Zimmer 206
im ersten Obergeschoss (nach unserer Zählweise) wird für die nächsten drei Tage mein Zuhause sein. Doch zuerst muss ich die Tür geöffnet bekommen. Mein Kampf mit der Magnetkarte endet darin, dass ich runter an die Rezeption muss, um sie neu beschreiben zu lassen. Als sich endlich die Tür öffnet, mache ich zunächst ein langes Gesicht: Etwas ist anders, als in meiner Erinnerung an die Hotelbeschreibung.

Hanza Hotel ***S, #206, Riga

Hanza Hotel ***S, #206, Riga

Die Größe ist in Ordnung. Das Bett steht direkt an der Tür, aber das sah auf den Hotelfotos noch ungünstiger aus. Die Aussicht geht zum Hof und blickt auf eine Hauswand, was mich nicht stört. Nein, es sind die Rollos! In der Beschreibung steht „Alle Zimmer des Hanza Hotels sind hell und umfassen hölzerne Fensterläden.“ Klingt kleinlich, aber wenn schon so ein Detail nicht stimmt, was stimmt außerdem nicht?
Einen Moment aufs Bett fläzen, ausruhen und den Fernseher testen. Der Flachbild-TV im 4:3 Format hat antiquarischen Wert. Und leider ist das, was er wiedergibt, auch nicht technisches „State of the Art“: Pro7, RTLII, Comedy Central und ein Sportkanal sind die einzigen deutschprachigen Sender und werden in erbärmlicher Qualität dargestellt. Das kann ja ein öder Abend werden.
Auf dem Schreibtisch steht eine Broschüre mit den Wellnessangeboten: Massagen, Beautypakete und Sauna für zwei zu moderaten Preisen.

Hanza Hotel ***S, #206, Riga

Hanza Hotel ***S, #206, Riga

Das gesamte Hotel ist rauchfrei und jetzt zahlt sich das Hofzimmer aus, denn direkt vor der Hoteltür treffen sich die Raucher. Was nutzt mir der Blick auf die Kirche, wenn Qualm in mein Zimmer zieht und Autos vor dem Hotel vorfahren?
Das WLAN-Signal ist stark und mit ausreichend Bandbreite, alternativ steht ein LAN-Anschluss bereit.
Neugierig werfe ich einen Blick ins

Bad
und bin angenehm überrascht. Durchaus geräumig!

Hanza Hotel ***S, #206, Riga

Hanza Hotel ***S, #206, Riga

Die Dusche ist mit Abstand das Größte, was ich in seit Langem in einem Hotel nutzen durfte. Da schaue ich auch wohlwollend über die schmutzigen Silikonfugen hinweg.

Hanza Hotel ***S, #206, Riga

Hanza Hotel ***S, #206, Riga

Außer zwei Seifenspendern gibt es keine weiteren Toilettenartikel; langt ja auch. Das WC wird sich noch zu meiner persönlichen Herausforderung entwickeln, da der Druckknopf des Spülkastens nur sehr widerwillig reagiert und ich mir eine Spülbürste gewünscht hätte, die ich nicht erst aus den Tiefen des Behälters herausfischen muss. Dafür verspricht der Blick aus dem Fenster Kurzweil:

Hanza Hotel ***S, #206, Riga

Hanza Hotel ***S, #206, Riga

Ich kann vom Klo aus in die anliegenden Zimmer schauen. Das Economy-Zimmer bietet keine funktionierende Glotze, dafür Live-Unterhaltung.

Mir fällt überaus angenehm auf,
dass Teppichboden und Bodenfliesen weder an meinen Socken noch meinen Schlappen einen staubigen Schleier hinterlassen. Habe ich leider auch schon anders erlebt.

Die Nachtruhe
war kurz. Nicht, weil das Bett unbequem war – im Gegenteil; der dicke Topper ist kuschelig, auch wenn man vergessen hat einen Schutz überzuziehen. Macht man doch heute nicht mehr, ohne Überzieher ins Bett. Auch nicht wegen der Geräusche der Dusche aus dem Zimmer über mir – damit rechne ich in dieser Preisklasse. Nein, schuld hat das Zimmermädchen, dass um 6:45 Uhr auf dem Gang rumorte und am Folgetag um 7:30 Uhr mittels Staubsauger den Flur reinigte. Ich dämmere noch bis zum

Frühstück
vor mich hin und begebe mich ins Untergeschoss in das hauseigene Restaurant. Ein Schild auf dem Weg dorthin informiert, dass die Räumlichkeiten nur noch zum Frühstück geöffnet werden. Das Buffet ist überschaubar.

Hanza Hotel ***S, Frühstücksraum, Riga

Hanza Hotel ***S, Frühstücksraum, Riga

Was haben wir denn da: Drei Sorten Säfte und Wasser, je eine Sorte Brötchen, Toast und Brot, zwei Sorten Frühstücksflocken, zwei Warmhaltebehälter mit Speck, Würstchen, Ei, Pfannkuchen und einer weißen Pampe, ein Tablet mit Obst und Minicroissants, drei Sorten Marmelade und Honig, Butter, etwas Gemüse und Salat, eine Sorte Scheibenkäse, zwei Sorten Aufschnitt und den weltallerschlechtesten Kaffee, den ich selbst mit reichlich Milch und Zucker nicht genießbar bekomme. Weitere Heißgetränke und frisch gepresste Säfte gibt es gegen Aufpreis.

Hanza Hotel ***S, Frühstücksraum, Riga

Hanza Hotel ***S, Frühstücksraum, Riga

Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Es ist nicht wirklich schlecht, aber auch nicht der Überflieger – woher soll es bei dem Preis auch kommen? Es wirkt alles sehr simpel und lieblos und scheint nur irgendwie satt machen zu wollen. Am meisten vergällen mir die Backwaren die Freude am Frühstück: Zu klein, zu fad und zu trocken.

Hanza Hotel ***S, Frühstücksraum, Riga

Hanza Hotel ***S, Frühstücksraum, Riga

An den Speisen wird sich während meiner Besuche nichts Grundlegendes ändern. Wieder eine Diskrepanz zur Beschreibung, die „Ein abwechslungsreiches Frühstücksbuffet mit frischen Erzeugnissen vom nahe gelegenen Zentralmarkt wird jeden Morgen serviert.“ versprach. Schlimmer noch: Eines morgens verpenne ich die Frühstückszeit um eine Viertelstunde und darf mich an den Resten des Buffets laben. Immerhin war die Mitarbeiterin so nett und bringt mir etwas Milch aus der Küche. Ich hätte nun erwartet, dass das Buffet komplett abgeräumt, im Kühlschrank verstaut, gewischt und neu eingedeckt wird. Nein, ein Teil bleibt scheinbar über Nacht auf dem Buffet stehen und die Kaltmansell geht umher und tupft die Tellerchen ab, stülpt Folie über die Marmeladentöpfe und die Cornflakes stehen weiterhin offen in der Schüssel. So etwas möchte ich nicht sehen!

Von kleineren Mängeln,
mal abgesehen, die jeder individuell gewichtet, ist der von Booking.com vermittelte Preis von € 108,56 für drei Nächte inklusive Frühstück im Economy-Zimmer sehr günstig. Hunde sind nach Voranmeldung und gegen Gebühr gestattet.

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