Riga: Vecrīga (Altstadt I)

Gesamtlesedauer ca. 6 Minuten

ist seit 1997 UNESCO Weltkulturerbe
und in rund zwei Stunden gut zu erkunden. Mein Tipp: Nähert Euch vom Fluss her, dann habt Ihr die Möglichkeit einen Blick auf die Nationalbibliothek auf der anderen Flussseite zu werfen.

Latvijas Nacionālā bibliotēka (Lettische Nationalbibliothek), Riga

Latvijas Nacionālā bibliotēka (Lettische Nationalbibliothek), Riga

Danach könnt Ihr die verschiedenen Stilrichtungen der größtenteils denkmalgeschützten Altstadtbauten bewundern. Um die Baulücken zu schließen, wurden nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit viele Gebäude rekonstruiert oder erneut erbaut. Mein Altstadtrundgang beginnt am

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Rātslaukums,
dem Rathausplatz, der gleich mehrere Sehenswürdigkeiten bietet.

Rātslaukums (Rathausplatz), Riga

Rātslaukums (Rathausplatz), Riga

Zum einen natürlich das Rathaus aus dem Jahr 2003, das auf eine lange Geschichte von Rathäusern zurückblickt, denn es ist mittlerweile das vierte Ratsgebäude. Dadurch, dass die Reiseführer mehr Fokus auf die weiteren Sehenswürdigkeiten legen, nimmt man es trotz seiner stattlichen Größe nicht wirklich wahr. Liegt vielleicht auch an der Einkaufspassage, die man nicht in einem Rathaus vermuten würde. Gegenüber des Rathauses steht

die Rolandstatue,
und wie es der Zufall will, latscht gerade ein Touristenführer mit seiner Gruppe durchs Bild und bleibt vor dem jungen Ritter Roland stehen. Dass Roland unter Karl dem Großen kämpfte, erwähnt er ebenso wenig wie, dass der heutige Roland eine Kopie der Statue in der St. Petrikirche ist. Dafür führt er zum allgemeinen Staunen vor, dass im Sockel ein Wasserspender mit Bewegungssensor eingebaut ist.

Rolandfigur vor Melngalvju nams (Schwarzhäupterhaus), Riga

Rolandfigur vor Melngalvju nams (Schwarzhäupterhaus), Riga

Rolandstatuen stehen zum Beispiel auch in der Hansestadt Bremen, Prag oder Verona. Dahinter steht

das Schwarzhäupterhaus,
Melngalvju nams, das wohl beeindruckendste Bauwerk der Stadt. 1334 von der Stadt unter dem Namen „Neues Haus“ für öffentliche Zwecke errichtet, wurde es mehrfach umgebaut. Der Name „Schwarzhäupterhaus“ wurde 1687 eingeführt, als die Schwarzhäupter Hauptmieter wurden. Schwarzhäupter, nach ihrem Schutzpatron dem heiligen Mauritius benannt, sind Bruderschaften unverheirateter Kaufleute der baltischen Hansestädte. Im Juni 1941 wurde der Prachtbau durch deutsche Truppen zerstört und 1993-1999 anlässlich der 800-Jahr-Feier originalgetreu wiederaufgebaut. Das im Stil holländisch-flämischer Gotik-Zunfthäuser erbaute Haus beherbergt heute nicht nur einen prunkvollen Festsaal und ein Museum, sondern auch das Tourismusbüro.

Melngalvju nams (Schwarzhäupterhaus), Riga

Melngalvju nams (Schwarzhäupterhaus), Riga

Ich schaue mir ausgiebig die Fassade mit seinen Statuen, Inschriften und der astronomischen Uhr an. Eine Frage drängt sich mir auf: Wer hat(te) Zeit und Muße die ganzen Informationen des Ziffernblatts abzulesen? Diese frühe Form der Informationsüberflutung veranlasst mich, ein paar Schritte weiter zur

St. Petrikirche,
Svētā Pētera baznīca, mit seinem markanten Turm zu gehen. Bereits 1209 erwähnt, wurde sie mehrmals umgebaut. So kam 1491 der erste Holzturm hinzu, der Stadtwächtern eine Aussichtsplattform für ausbrechende Feuer und andere Gefahren bot und selbst dreimal dem Feuer zum Opfer fiel: 1667, 1721 (Blitzschlag) und 1941 durch deutsche Artilleriegeschosse. Der aktuelle Turm datiert aus dem Jahre 1973, drei Jahre nachdem die Kirche wiederaufgebaut wurde. Diesmal hat man dem 123 m hohen Turm eine Stahlkonstruktion zum Schutz vor weiteren Bränden und einen Aufzug zur Panoramaplattform gegönnt.

Svētā Pētera baznīca (St. Petrikirche), Riga

Svētā Pētera baznīca (St. Petrikirche), Riga

Außen um die Kirche herum, stehen am anderen Ende die

Bremer Stadtmusikanten,
ein Geschenk der Partnerstadt Bremen, die auch Heimatstadt von Bischof Albert von Buxhoeveden ist. Zusammen mit Kaufleuten gründete er 1201 die Stadt Riga, die bereits im Jahr 1214 von Bremen unabhängig wurde. Wie in Bremen bildet sich eine Warteschlange, weil jeder die Tierchen streicheln will, während er oder sie einen stillen Wunsch äußert.  Ohne dem Brauchtum Folge zu leisten, wende ich meinen Blick nach rechts auf

die Johanniskirche,
Sv. Jāņa baznīca, das älteste Gotteshaus Rigas.

Sv. Jāņa baznīca (Johanniskirche), Riga

Sv. Jāņa baznīca (Johanniskirche), Riga

Die erste Erwähnung datiert 1297 und bezieht sich auf die Kapelle eines Dominikanerklosters, die im 15. Jh. zerstört wurde. Der Neubau wurde in der Übergangszeit vom 15. zum 16. Jh. errichtet und damit der Kirche nicht Böses widerfahre, ließen sich im 15. Jh. zwei Mönche in die Außenmauer einmauern. Solange sie lebten, versorgte die Bevölkerung sie durch einen Schlitz mit Wasser und Brot. Im 19. Jh. wurden tatsächlich eingemauerte Gebeine gefunden und an Ort und Stelle belassen. Die Johanniskirche, übrigens Rigas einzige Kirche mit gotischen Stufengiebel, wurde 1849 um den Turm erweitert.  Direkt vor mir und nur durch eine schmale Gasse von der Johanniskirche getrennt, steht

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das Eckens Konvent,
Ekes konventa ēka, benannt nach dem Bürgermeister Nikolaus Ecke. Dieser lies das dreigeschossige Gebäude, das 1435 vom Magistrat als Notunterkunft errichtet wurde, im Jahr 1596 zum Asyl für verarmte Witwen der „Kleinen Gilde“ umbauen. Das hat er natürlich nicht aus Altruismus getan, sondern, weil er gerne mal in die Stadtkasse griff und hoffte, so das Volk zu beschwichtigen. Durch das Tor betrete ich den

Konventhof,
den 1220 vom Stadtgründer Bischof Albert gegründeten Zufluchtsort für Arme und Kranke.

Ekes konventa ēka (Eckens Konvent), Riga

Ekes konventa ēka (Eckens Konvent), Riga

Heute sind hier diverse kleine Geschäfte, Gastronomie und ein Luxushotel untergebracht. Ich habe Glück und betrete den Hof ohne dass sich Touristengruppen durchschlängeln. Es tut richtig gut, durch die engen Gässchen zu schlendern und die Ruhe zu genießen. Der Hof befindet sich an der Rückseite des ältesten Gebäude Rigas, der

St. Georgskirche,
Svētā Jura baznīca, aus dem Jahr 1204. Im 17. Jh. als Warenlagen zweckentfremdet, befindet sich seit 1989 das Museum für angewandte Kunst darin. Ich verlasse den Konventhof und gehe die Straße weiter um rechts nach ein paar Metern auf den

Livenplatz,
Līvu laukums, einzubiegen. Heute reiht sich ein Restaurant an das nächste und ich bekomme mal wieder den Eindruck, dass die ganze Altstadt nur aus Restaurants besteht. Wie mag es im 16. Jh. ausgesehen haben, als hier noch ein Fluss die Stadt durchquerte? Denn, der Platz verdankt seine Existenz dem Zweiten Weltkrieg, nachdem die zerstörten Häuser abgetragen wurden und der „Platz der Philharmonie“ 1950 eröffnet wurde. Eine Seite des Platzes säumen bunte Handwerkerhäuschen aus dem 18. Jahrhundert.

Līvu laukums (Livenplatz), Riga

Līvu laukums (Livenplatz), Riga

Während ich so rumgucke, zieht ein Pulk Studenten an mir vorbei. Kostümiert und mit Schildern in der Hand, marschieren sie lautstark skandierend über den Platz, um nach kurzer Zeit erneut vorbeizuziehen. Fremdsprachenkenntnisse wären jetzt von Vorteil, um das Spektakel zu verstehen. Nach der kurzen Ablenkung setze ich meinen Rundblick fort und entdecke die beiden Gebäude der

Mazā ģilde und Lielā ģilde,
die „Kleine Gilde“ der Handwerker und die „Große Gilde“ der Kaufleute. 1935 wurden die Gilden aufgelöst und die Philharmonie hat in der „Großen Gilde“ ein neues Zuhause gefunden, während in der „Kleinen Gilde“ Veranstaltungen verschiedenster Art stattfinden .

„Kleine Gilde“ und „Große Gilde“, Riga

„Kleine Gilde“ und „Große Gilde“, Riga

Mein Blick schweift weiter und trifft auf

das Katzenhaus,
Kaķu māja, dessen Erbauer die Aufnahme in die Gilde verweigert wurde. Zu tiefst beleidigt, ließ er zwei Katzenfiguren auf die Türmchen seines Hauses montieren, die ihre Hinterteile über die Straße Richtung „Große Gilde“ streckten. Ganz schön crazy, die Rigaer.

Kaķu māja (Katzenhaus), Riga

Kaķu māja (Katzenhaus), Riga

Ich setze meinen Weg zwischen den beiden Gildehäusern fort in Richtung Domplatz, über den ich im zweiten Teil schreibe.[DISPLAY_ULTIMATE_PLUS]

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