Ribadeo: Playa de las Catedrales

Gesamtlesedauer ca. 5 Minuten

der „Strand der Kathedralen“

befindet sich im Gemeindeteil A Devesa von Ribadeo in der Provinz Lugo.
Die Anreise ist denkbar einfach: Vom Hostal aus sind es knapp 8 km auf der von Ribadeo kommenden N-634. Kurz vor Fahrtende verlasse ich die Nationalstraße an einem Kreisel und folge der Beschilderung.

Es gibt auch die Möglichkeit die Autobahn zu nutzen, was einerseits rund 3 km mehr Strecke bedeutet und andererseits unangenehm zu fahren ist, aufgrund diverser Kreisverkehre bis zur Autobahnauffahrt.
Am Strand ist ein kleiner Parkplatz vorhanden, der bei Weitem nicht für den Andrang während der Hauptsaison ausgelegt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass der Galicier an sich sehr verschwenderisch parkt. Böse Zungen behaupten, es wären nicht die Einheimischen, die ihren Wagen so miserabel abstellten, sondern die hier arbeitenden Portugiesen.
Die

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,

so die offizielle Bezeichnung, empfängt die Besucher mit Picknick-Bänken (Hundeverbot), einer kostenpflichtigen WC-Anlage, einem Café-Restaurant, Wasserspendern und fliegenden Händlern. Letztere haben sich darauf spezialisiert Schmuck herzustellen, der die Felsformationen nachempfindet.

Playa de las Catedrales, Ribadeo (Lugo)

Playa de las Catedrales, Ribadeo (Lugo)

Bei unserem ersten Besuch, am Abend des Anreisetages, war Flut und das Naturdenkmal nicht zugänglich. Also  laufen Oscar und ich ein Stück den Küstenwanderweg entlang und ich werfe den einen oder anderen Blick die 30 m tiefe Steilküste hinab. Es sind zwar Warnschilder vorhanden, um auf die Absturzgefahr hinzuweisen, aber keine weiteren Sicherungen – also lieber nicht zu nahe an den Rand treten! Nur ein paar Minuten auf dem Wanderweg und wir sind alleine, haben die Besucher, die wie wir den Gezeitenplan nicht kannten, hinter uns gelassen. Wir kommen an einsamen Buchten vorbei und Treppen laden uns ein, sie zu besuchen. Eine Einladung, die wir auf den morgigen Tag verschieben müssen, denn die

Playa de las Catedrales, Ribadeo (Lugo)

Playa de las Catedrales, Ribadeo (Lugo)

Praia (d)as Catedrais,

wie es auf Galicisch heißt, ist nur bei Ebbe und nur über eine Treppe zugänglich. Dass Hunde den Atlantik-Strand nicht betreten dürfen, wie so oft in Spanien, ist sicherlich auch der Auszeichnung mit der für beste Wasserqualität geschuldet.
Das Warten auf Niedrigwasser lohnt sich: 1,3 km feinster Sand, von Wind und Wetter bizarr geformte Felsen, Spalten und Stollen sowie die Steilküste entlocken dem Besucher ein „Wow!“. Und genau das ist die Crux: Der Besucheransturm zwang die Regierung den Zugang in der Hochsaison zu beschränken. Es ist die Rede davon, dass sich in der , eine bei Spaniern beliebte Reisezeit, 2 km lange Warteschlangen bildeten und in der Hauptsaison bis zu 20.000 Besucher am Tag über den Strand trampelten.  Seit 2015 ist eine kostenlose Online-Reservierung für die Monate Juli bis September verpflichtend. In den verbleibenden neun Monaten des Jahres ist der Zugang uneingeschränkt möglich.

Die fehlende Aufsicht,

weil der Infostand nur in der Hauptsaison besetzt ist, ist ein Freifahrtschein allen Reglementierungen und dem gesunden Menschenverstand zu trotzen: Kinderwägen werden die steile Treppe hinunter gewuchtet; Menschen, die sich kaum auf ihren Krücken halten können, quälen sich über die Stufen und Hundehalter tummeln sich mit ihren Tieren auf dem Strand.

Playa de las Catedrales, Ribadeo (Lugo)

Playa de las Catedrales, Ribadeo (Lugo)

Und der menschliche Wahnsinn zeigt noch weitere Facetten: Weil hüfttiefe Wasserlöcher den Weg unterbrechen, müssen wir über Felsen klettern. Was für junge Leute schon eine Herausforderung darstellt, scheint alte Menschen nicht daran zu hindern, einen Knochenbruch zu riskieren. Auf dem Felsplateau hält einer, am Fuß des Felsens fängt einer und Omi hängt dazwischen wie ein Mehlsack. Ich weiß nicht, ob ich das (wage)mutig oder einfach nur leichtsinnig finden soll. Ich weiß nur, dass ich nicht hinsehen mag und doch zieht es mich in seinen Bann.
Weiter geht es über mit Algen überwucherte, glitschige Felsen. Wo selbst mein Hund unschlüssig stehen bleibt und in mein irritiertes, weil ratloses, Gesicht blickt, springen die Leute wild mit den Armen rudernd munter umeinander. Wer, bitteschön, geht im Anzug mit Halbschuhen oder im Kleid mit Ballerinen an den Strand? Natürlich rutschen sie aus, natürlich legen sie sich lang und natürlich werden sie nass! Trotz allergrößter Vorsicht teile ich das Schicksal der Anderen, aber ich habe wenigstens Kleidung zum Wechseln im Auto. Auch wenn ich mir in diesem Moment wünsche, eine Badehose und Wasserschuhe anzuhaben anstatt Bermudas und Sneakers.

Ganz ehrlich:

Mir ist es im Mai schon zu voll! Lärmende Schulklassen; Reisebusse mit einheimischen Touristen, die lautstark ihrer Verzückung Ausdruck verleihen; Tablets die zum Fotografieren in die Luft gehalten werden und an den Engpässen staut es sich. Klar, es verläuft sich und trotzdem lenkt es von der eigenwilligen Schönheit der Landschaft ab. Erst als die anderen Besucher den Rückzug antreten und ich auf den Fotos nicht nur Touristen, sondern auch Landschaft entdecke, erst dann kann ich anfangen zu genießen, was die Naturgewalten in Jahrhunderten geschaffen haben.

Der Rückweg ist anstrengender

als der Hinweg. Teilweise laufe ich orientierungslos auf den glitschigen Felsen herum, teilweise komme ich nicht auf die Felsen. Einem jungen Pärchen, dass mit seinem Hund auf einem Felsen steht und darauf wartet, dass die Senioren ihren waghalsigen Abstieg vollenden, reiche ich Oscar hoch und quäle mich danach selbst hoch.

Oben angekommen gehe ich ins einzige Café

und gönne mir einen „café con leche“. Es stutzt mich, dass die Terrasse trotz schönstem Wetter verwaist ist und nur auf einem Tisch Gläser und Flaschen stehen. Im Schankraum erwarten mich zwei Mitarbeiter und nur ein Gast. Ich bestelle an der Theke und verstehe plötzlich: € 2,50 für einen Kaffee ist mal ’ne Ansage! Gewohnt bin ich € 1,00 bis € 1,50. Ich setze mich raus und schaue mir das Gewusel der Touristen einen Steinwurf entfernt an.
Und wie ich da so sitze und sinniere, drängt sich die Stimme der Wirtin in mein Bewusstsein, einer plötzlich auftretenden Migräne ähnlich. Sie beklagt sich lauthals, dass die Regierung ihr zu viele und zu strenge Auflagen zumutet, dass eben diese Regierung zu wenig für den Tourismus tut, dass früher alles anders war und die Leute nach dem Spaziergang noch auf eine Kleinigkeit eingekehrt seien, heute jedoch überall die Verpackungen vom Discounter rumliegen. Das geht noch eine Zeit lang so, nur um dann wieder von Vorne zu beginnen. Nur ein Galego lamentiert mit solcher Inbrunst und Ausdauer, nur ein Galego parkt so untalentiert, nur ein Galego schert sich um Ge- und Verbote und mir wird bewusst: Du bist Zuhause!

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