Sa Calobra: Torrent de Pareis

Gesamtlesedauer ca. 4 Minuten

erreiche ich über die Ma-2141, welche von der Ma-10 abzweigt. In unzähligen Schleifen und Kehren geht es hinab zum ca. 45 Einwohner zählenden Touristenörtchen .
Der italienische Ingenieur Antonio Paretti baute 1932 diese vielbefahrene Straße in die felsige Karstlandschaft der Serra de Tramuntana. Die mallorquinischen Fahrwege sind nicht jedermanns Sache: Bei der bevorstehenden Kurverei in den Bergen wird sich der eine oder andere leicht erregbare Magen melden und die Angst vor entgegenkommenden Reise- und Linienbussen so manchen Urlauber lähmen. Auch ist die Gefahr groß, auf den abenteuerlichen Windungen aufgrund der atemberaubenden Ausblicke die Spur zu verlieren. Wen das nicht abschreckt, wird am Ende der Serpentinenstraße reich belohnt werden – sofern er einen der knappen Parkplätze ergattert.

Los geht es am

Nus de sa Corbata

„Nus de sa Corbata“ an der Ma-2141 (Escorca, Mallorca, Spanien)mit seiner 270-Grad-Kurve, bei der die Straße unter sich selbst hindurchführt. Ab dem schlängelt sich die Fahrbahn in die Tiefe und überwindet dabei auf gut 12 km Länge irgendwas zwischen 680 und 800 Höhenmeter (je nach Quelle).

Die Legende sagt,
dass dem Erbauer die Idee für diese ungewöhnliche Streckenführung beim Binden seiner Krawatte gekommen sein soll. Sie schien ihm die einzige Möglichkeit, den Weg weiter zur Bucht von Sa Calobra zu bauen.

Ma-2141 (Escorca, Mallorca, Spanien)Ich bin unsagbar dankbar dafür, dass es nachmittags in der Nebensaison ist und mir nur ein Touristenbus entgegenkommt. So ein Bus beansprucht schon reichlich Platz in den zwölf Haarnadelkurven, um nicht zu sagen, beide Spuren.
Am Ende der Passstraße Ma-2141 fahre ich in einer Schleife durch Sa Calobra: Am geschlossenen kostenpflichtigen Parkplatz und dem Hafen vorbei, bis kurz vor dem Ortsende an den Busparkplätzen einer der wenigen Kfz-Parkplätze auftaucht. Dass hier ein Anwohnerparkausweis erforderlich ist, ignorieren die anderen Fahrer und ich geflissentlich.

Zurück am Wasser erwartet uns nicht nur der Blick auf den pittoresken Hafen

Port de Sa Calobra

Port de Sa Calobra (Escorca, Mallorca, Spanien)mit seinem Anleger für die Ausflugsboote, sondern auch ein kleiner Strand. Der Hafen sowie der gerade mal 50 m lange und bestenfalls 20 m breite Naturstrand sind umringt von einem Aufgebot an Gastronomie.
Der viel spannendere Abstecher zum ist am Bootsanleger ausgeschildert. Als ich den Fußweg dorthin in Angriff nehme, hält ein städtisches Auto neben mir und der Fahrer fragt mich, ob ich mit Oscar in den Torrent de Pareis wolle. Auf mein „Ja“ bekomme ich den wirklich gut gemeinten Ratschlag, meinen Hund anzuleinen, weil in der Schlucht wilde Ziegen leben. Es vergeht keine Woche, in der nicht mindestens ein Hund für immer verschwindet, erfahre ich. Ich schaue ihn mit großen Fragezeichen in den Augen an. Seine Antwort ist ebenso logisch wie traurig: Ziegen haben den Vorteil, dass sie von der Natur mit geeignetem Kletterwerkzeug für das Kraxeln und Flüchten im Fels ausgerüstet sind, während Hunde bei der Jagd im schroffen Gelände abrutschen und verenden.

Rund 500 Meter, die zum Teil durch Tunnel führen, braucht es, um zur Schlucht des

Torrent de Pareis

zu gelangen. Diese Mündungsschlucht gilt nach der Samaria-Schlucht auf Kreta als zweitgrößte im Mittelmeerraum und kann auch erwandert werden. Die ca. fünfstündige Wanderung ab Escorca ist nicht ganz ungefährlich und wird nur im Rahmen einer geführten Tour empfohlen.
Egal, wie man hierher gelangt, man steht auf jeden Fall mit vor Erstaunen offenem Mund da. Sommerurlauber sollten sich den Juli vormerken, wenn das jährliche kostenlose Konzert vor dieser großartigen Kulisse stattfindet.
Torrent de Pareis (Sa Calobra, Escorca, Mallorca, Spanien)Der weite und von steil abfallenden Kalksteinwänden gerahmte Talkessel wird nach starken Regenfällen von den tosenden Wassermassen des Sturzbaches Torrent de Pareis durchströmt. Heute hindert mich nur ein ruhiger und flacher, jedoch weitläufiger See daran, tiefer in die Schlucht vorzudringen.

Ein schmaler Durchbruch öffnet sich zur

Cala de Sa Calobra

Cala de Sa Calobra (Sa Calobra, Escorca, Mallorca, Spanien)und der winzige Kiesstrand, der sich da in dem ausgetrockneten Flussbett zwischen zwei steil aufragende Felsen klemmt, hat irgendetwas Einladendes.
Ma-2141 (Escorca, Mallorca, Spanien)Mittlerweile bricht die Nacht herein und so wird es Zeit, die kurvenreiche Rückfahrt durch die Serra de Tramuntana anzutreten. Während ich mich im bestenfalls zweiten Gang bergauf quäle, bremsen mich Ziegen aus. Haben die sich also auch mal gezeigt.

Escorca (Mallorca, Spanien)
Escorca (Mallorca, Spanien)
„Nus de sa Corbata“ (Escorca,  Mallorca, Spanien)
„Nus de sa Corbata“ (Escorca,  Mallorca, Spanien)
Escorca (Mallorca, Spanien)
Escorca (Mallorca, Spanien)
Escorca (Mallorca, Spanien)
Escorca (Mallorca, Spanien)
Escorca (Mallorca, Spanien)
Escorca (Mallorca, Spanien)
Sa Colabra (Escorca, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
Torrent de Pareis (Sa Colabra, Mallorca, Spanien)
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In einem Online-Artikel wird das katalanische Wort „calobra“ mit „Natter“ übersetzt. Diese Übersetzung fand ich nur in diesem einen Beitrag und diverse Online-Übersetzer bestätigen die Übersetzung nicht.
Allerdings kennt die kastilische Sprache das Wort „culebra“ für Schlange, Natter.
Da das Dorf älter als die sich schlängelnde Straße ist, und früher nur per Boot oder zu Fuß durch die Schlucht erreichbar war, würde ich einen Bezug zur Straße ausschließen.
katalanisch für Krawattenknoten
torrent (katalanisch) = Sturzbach
pareis (katalanisch) = doppel / Paar

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