Entlang der Ma-2100: Castell d’Alaró

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auf dem Puig d’Alaró

ist das zweite Etappenziel auf unserem Ausflug in die mallorquinischen Berge.
Zunächst muss ich eine abenteuerlichen Kurvenfahrt über eine enge Straße hinter mich bringen. So eng, dass man bei Gegenverkehr zurücksetzen und eine Ausweichmöglichkeit suchen muss. Eines der wenigen Male, dass ich dankbar bin, der Letzte in der Karawane zu sein. Lass mal die Anderen in den Kurven auf Überraschungen treffen! Der anfangs noch ordentlich asphaltierte Straßenbelag geht bald in eine Buckelpiste und kurz darauf in eine Kraterlandschaft über. Das Lenkrad tanzt derart wild in meinen Händen, dass ich um Schäden an der Lenkung bange.

Auf einer Länge von 4,5 km schlängelt sich die Straße in Serpentinen durch Olivenhaine hinauf zum

Bergbauernhof Finca es Verger

Finca Es Verger und Castell d'Alaró, Mallorcamit seinem beliebten Restaurant. Den Besuchern steht ein großer Parkplatz zur Verfügung, auf den auch wir fahren, denn es gibt keine sonstige Abstellmöglichkeit. Von hier aus ist bereits die Felsenburg hoch droben zu sehen. Der

Aufstieg zur Burg

Blick auf Alaró vom Castell d'Alaró, Mallorcawird 50 Minuten dauern. Vor uns läuft ein plapperndes Grüppchen rüstiger Senioren, die strammen Schrittes den Abstand zu uns vergrößern. Normalerweise weckt das meinen Ehrgeiz, aber die wechselnden Blickwinkel aufs Tal und hinauf zur Burg sind allzu einladend, als dass ich einfach weiterlaufen könnte.
Zufahrt zum Castell d'Alaró, MallorcaDer Weg ist zwar nicht ganz so holprig wie die Serpentinenstraße, dafür um einiges schmaler. Während ich mich wundere, wieso man die Landschaft mit diesem zementenen Flickenteppich verschandeln musste, fährt auch schon die Antwort vorbei: Für Autos.
Letzter Parkplatz vor dem Castell d'Alaró, Mallorca Nach 35 Minuten erreichen wir Es Pouet, wo mehrere Wanderrouten zusammenlaufen. Die parkenden Autos lassen erahnen, welchen Aufwand die Versorgung verursacht.
Wer sich auf das Wagnis eingelassen hat mit dem Auto hierher zu fahren, muss aussteigen, denn

die letzten 1,4 km

erfordern einen zwanzigminütigen Fußmarsch über langgezogene Stufen. Die Aussicht wird mit jedem Schritt beeindruckender und ich ahne immer noch nicht, wie atemberaubend erst der Ausblick oben sein wird.
Klettern am Castell d'Alaró, MallorcaMorgen werden mich zwei Hotelgästen beim Frühstück fragen, ob ich Kletterer sah. In der Tat treffe ich auf den letzten Metern vor der Burg auf Franzosen, die dem Bergklettern frönen. Allerdings ist die Stelle denkbar schlecht gewählt: Am Rand des schmalen Weges steht ein Kraxler, der die Sicherungsleine hält, unter der alle naselang ein Wanderer durchläuft. Zu allem Überfluss hält Oscar es für angebracht, die Gipfelstürmer zu begrüßen und dackelt in die Gruppe, um seine Streicheleinheiten einzufordern. Nicht, dass sie wirklich böse darüber sind, doch als er sich wieder entfernt, sind sie auch nicht wirklich traurig.
Den Resten der

Burg

ist ein Verteidigungswall vorgelagert, dessen Torbogen einst mit einem doppelflügeligen Portal versehen war.

Die Legende erzählt,
dass sich das Pferd Jaume I. an der steilsten Stelle des Aufstieges gegen die Gegner aufbäumte und während des Gemetzels einen runden Hufabdruck in einem Stein nahe des Portals hinterließ.
Aufgefallen ist er mir nicht.

Torre de l’Homenatge, Castell d'Alaró, MallorcaTreppen führen zum Haupteingang, dem , landläufig auch als  bekannt. Dieser zinnenbewehrte Turm diente außer der Verteidigung auch als Wohnsitz des Burgherren.
Torre de Migjorn, Castell d'Alaró, MallorcaIn unmittelbarer Nachbarschaft, und parallel zum Wanderweg, stehen die Überreste des , dem zweiten wichtigen Verteidigungsturm. Der Steinkreis in unmittelbarer Nähe markiert eine der fünf Zisternen, die den Arabern zugeschrieben werden.

Aus dem Arabischen stammt auch das Wort al‘-run, für römisch, byzantinisch oder christlich, von dem sich Alaró ableitet.

Schließlich gibt es noch die mit Ornamenten verzierte und nach Mekka ausgerichtete Hauptmauer des . Er diente den Mauren als Gefängnis sowie der Überwachung der Südflanke und der Felsen von Cladera.

Zahlreiche Burgherren aus vieler Herren Länder sorgten für eine bewegte Geschichte, die bis in die Bronzezeit zurückreicht. Wenig ist von der 815 m hoch gelegenen Anlage mit ihren ehemals fünf Türmen übriggeblieben. Was heute noch an militärischen Strukturen erkennbar ist, sind gotische Ruinen aus dem 14. Jh.. Während der Pestepedemie 1564 musste die Kastellburg als Quarantäne und Notlazarett herhalten. Im 17. Jahrhundert wurde ein Gebetshaus oberhalb der Burganlage errichtet, dem die Herberge Refugi del Castell d’Alaró angegliedert ist. 1741 wurde die militärische Nutzung schließlich aufgegeben und nur noch religiöse Interessen verfolgt. Seit 1931 ist die Anlage spanisches Kulturdenkmal. Heute sind die Stadt, das Bistum Mallorca und ein privater Eigentümer für den Unterhalt zuständig.

Blick vom Castell d'Alaró, MallorcaAn der dem Hauptturm vis-à-vis liegenden Seite stehe ich im wahrsten Sinne des Wortes am Abgrund: Es geht ohne Absicherung senkrecht bergab. Das ist so gar nichts für mich; mir wird schwindelig und ich taste mich rückwärts zu einem sicheren Sitzplatz zwischen den Felsen, um einen Blick aufs Tal zu werfen. Oscar lässt von seinem Stöckchen ab und nähert sich, um sein Näschen über den Rand der Felsen zu recken. Die Sache scheint ihm nicht geheuer. Er gehorcht zur Abwechslung mal aufs Wort und zieht sich zurück, um sich wieder seinem Stock zu widmen.

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Zwischen den Felsen schlängelt sich ein Trampelpfad bergauf zum Gipfel des

Puig d’Alaró

auf 825 m Höhe. Wenn ich bislang von atemberaubenden oder beeindruckenden Panoramen schrieb, dann trifft jetzt nur ein Wort zu: erhaben.

Blick auf die Serra de Tramuntana vom Castell d'Alaró, Mallorca

Blick auf die Serra de Tramuntana vom Castell d’Alaró, Mallorca

Ein paar Schritte unterhalb des Gipfels wartet das

Oratori del la Mare de Déu del Refugi, Castell d'Alaró, Mallorcaauf Besucher. Das Kirchlein aus dem Jahr 1622 wurde aus Dankbarkeit nach einer langanhaltenden Dürre gebaut: Als die Ernte auf dem Spiel stand, pilgerten die Einwohner Alarós mit ihrer kleinen Marienstatue auf den Burgberg. Prompt danach setzte der Regen ein und die Gläubigen bauten der Schutzpatronin diese schlichte kleine Kapelle.
Damit nicht genug: Zwei Rippen der mallorquinischen Volkshelden  werden hier aufbewahrt. Der Pfarrer, der auch den Kirchenbau anregte, war großer Anhänger der beiden Märtyrer und ließ die Knochen aus deren Grab in der Kathedrale von Mallorca hierher bringen.
ImOratori del la Mare de Déu del Refugi, Castell d'Alaró, Mallorca Inneren sticht neben der regenbringenden Gottesmutter das Altarbild ins Auge. Die Gemälde sind teilweise noch original aus 1622.
Am Sonntag nach Ostern startet ein Aufstieg zum Kastell, um die zu feiern. Am ersten Sonntag im September wird der Geburt der Jungfrau Maria mit einem öffentlich Essen vor dem Oratorium gedacht.
Links und rechts des Gotteshauses stehen die Gebäude des

Refugi del Castell d’Alaró,

Refugi del Castell d’Alaró, Castell d'Alaró, Mallorcadas aus Schänke und Schlafhaus besteht.
Es leuchtet jedem ein, dass hier oben nicht à la carte ausgewählt oder am Tisch bedient wird. Es wird gegessen, was die Vorräte hergeben. Immerhin kann man Halbpension buchen und spezielle Wünsche ans Essen anfragen. Bleibt die Frage, wie bekommt man 30 Mäuler plus Tagesgäste satt? Die beiden Esel Tita und Damià tragen die Vorräte vom Parkplatz nach oben.
Refugi del Castell d’Alaró, Castell d'Alaró, MallorcaDie Annehmlichkeiten der Übernachtung sind überschaubar: 30 Schlafplätze in Etagenbetten im Schlafsaal, Heizung und Decken, Gemeinschaftsbad, freies WiFi und ein Gemeinschaftsraum mit Kamin.
Zwar liegt ein ewig langer „Gartenschlauch“ entlang des Wanderweges und des Hügels, trotzdem ist Wasser hier oben ebenso Mangelware wie eine Müllabfuhr. Also keine Duschen und jeder Besucher nimmt seinen Müll wieder mit.
Ohne Müll verursacht zu haben, genieße ich ein letztes Mal den Weitblick. Mittlerweile taucht die Spätnachmittagssonne die Kulisse in goldenes Licht. Ich würde gerne noch verweilen, doch leider ist es an der Zeit den

Abstieg

Trampelpfad zum Castell d'Alaróanzutreten.
Ich kürze den Weg über einen unwegsamen Trampelpfad durchs Unterholz ab, von dem ich glaube, dass er eigentlich als Sturzbach während der Regenperiode gedacht ist.
So schön die Wanderung war, so sehr graut es mir vor der Talfahrt. Mein einziger Hoffnungsschimmer ist, dass um diese Uhrzeit kein Verkehr bergauf fahren wird.

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Ehrentor
frei übersetzt „Schnupfenmacher“
Nach einer schweißtreibenden Wanderung suchten die Besucher Schutz vor der Hitze unter dem Turm. Durch diesen wehte eine angenehme, wenn auch gefährliche Brise, die für mehr als nur eine Erkältung sorgte.
Südturm
Höhlenturm
Unterhalb des Turms befindet sich die Tropfsteinhöhle Cova de Sant Antoni, die wahrscheinlich zur Wasserbevorratung genutzt wurde.
Der Turm ist auch bekannt als Presó dels Moros (Gefängnis der Mauren).
Kapelle Unserer Lieben Frau der Zuflucht (oder Berghütte)
waren amtierenden Burg-Kommandeure und treue Gefolgsleute König Jaume II.
Während die Truppen Alfonso III. versuchten die Macht zu übernehmen, verschanzten sie sich 1285 auf der Burg.
Sie verhöhnten aragonische Unterhändler ob ihrer Aufforderung die Burg aufzugeben und den König verärgerten sie mit Wortspielen seines Namens: Aus Alfonso wurde „Anfós“, was übersetzt Zackenbarsch heißt.
Gebracht hat ihnen ihr Humor nichts und die beiden mussten die Festung aufgeben.
Angesichts der Verballhornung seines Namens ließ sich König Alfons eine passende Strafe einfallen: Cabrit bedeutet Ziegenbock und aus Bassa machte er „Brasa“, also Holzkohle. Was lag da näher, als die beiden aufzuspießen und bei lebendigem Leibe zu rösten?
Fest des Engels.
Auch bekannt als Pancaridad, das sich aus pan (Brot) und caridad (Wohltätigkeit) zusammensetzt.
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